19 Mai 2018

Zweimal Weltkulturerbe: Hattusha und Safranbolu

Ramadan hat  am 16. Mai, begonnen. Das Navi zeigt Richtung Nord, manchmal schon Nord-West. Die "Walkuh", mein Heim, rollt noch lieber - es geht Richtung Frau. Gestern haben wir eine Stunde lang die Bilder von Göreme zusammen per Skype angesehen und darüber gesprochen. Danach fragt sie: "Ist schon zu Ende?". Alles für unsere lieben Frauen!

Menschen, die froh sind, mit mir nichts zu tun zu haben,
machen mich froh, mit ihnen nichts zu tun zu haben.



Um 7.00 Uhr geht es von Göreme auf die 220 Kilometer lange Reise. Wehmütig zeigte mir ein letzter Abendspaziergang die unvergleichliche Schönheit in dem friedlichen Touristenort, dem Naturreservat im Weltkulturerbe.


Vor Jahrzehnten hätten diese bunten Lampen mein Heim romantisch beleuchten müssen. Jetzt reicht mir ein Foto von der Pracht.




Der Busbahnhof in Göreme bringt Touristen an die wichtigsten Städte im Land - auch ins herrliche Badeparadies Kas.

 Doch mein Fahren gleicht mehr und mehr dem der Profis: Entspannt und fröhlich geht es über kurvige Berg- und Talstraßen in einem begrünten Land. Um 12.00 Uhr steht das Auto in Bogazkale auf grünem Rasen in einem malerisches Garten. Davor kam noch eine genüssliche Teepause. Russia Today im SAT-TV unterhielt mich mit US-Propaganda-Verbrechen, die mittels LSD und militärischer, geheimer Planung von Social Engineering die Werte der Jugend nach WW2 geändert hätten. Dazu hätten die US-Propagandisten auch Profis im Filmgeschäft verpflichtet und Millionen von Dollars bezahlt.


Wenige Kilometer vor Yozgat stampft die Türkei eine Universitätsstadt aus dem Boden mit Sportarena, Wohnblocks für Studenten, kaum zu glauben.


Meistens sind Sehenswürdigkeiten am Weg einen Blick wert, aufgeschnappt und schnell vergessen. Doch diese Monumentalbauten zwangen mich zur Umkehr, um die gedeihliche Verbindung von Staat, Moschee und Universität zu dokumentieren, die BOZOK ÜNIVERSITESI ERDOGAN AKDAG KAMPÜSÜ: Ein Geschäft, um meine Vorräte aufzufrischen, gab es dort nicht. Das kam dann in Yozgat. Auch hier einen Platz im Schatten während des Einkaufs erwischt. Es fehlte an allem: Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Apfelsinen, Äpfel, Käse, Soda-Wasser. Ob in der 250 Gramm Plastikschachtel Butter oder Käse ist, muss der Test ergeben. Der ergab, dass es ein Milchprodukt war, um mit Yogurth, Schlangengurken und Knoblauch gemischt eine erfrischende, herzhafte, salzige Kaltspeise zusammen zu rühren.




Mein Acht-Euro-Platz in Bogazkale: Vögel zwitschern, ein gackerndes Huhn legt ihr Ei, der Hund in seiner Hütte nimmt kaum Notiz von mir. Er hat recht, uns ist heiß genug. Aufregung sparen wir uns. Der Ramadan hat heute, am 16. Mai, begonnen.  Das tägliche Leben verlangsamt sich weiter. Fastende sparen Kraft für die Nacht. Für mich beginnt mein zweiter Monat in der Türkei.

Bogazkale/Hattusha


Mein Reiseführer "Mit dem Wohnmobil durch die Türkei" hat mich nach Bogazkale gelockt, weil hier die Spuren eines untergegangen Weltreichs zu bewundern sind. Entweder hat das unser Geschichtslehrer nicht auf dem Lehrplan gehabt, oder es ist längst vergessen. In ihren Reich hatten die Hethiter sich mit den Ägyptern die damalige Welt aufgeteilt. Damals, war im Museum zu bewundern, rollten die Hethiter ihre Kampfwagen schon auf Vollholzrädern durch die Gegend. Die Kelten, oder wer dort immer zu der Zeit daheim gehaust haben mag, jagten ihre Frauen noch mit Keulen in die Höhlen, um ihnen das Ziegenfell auszuziehen. Nun aber Wiki zu den Hethitern:
Die Hethiter waren ein kleinasiatisches Volk des Altertums, das im 2. Jahrtausend v. Chr. auch in Syrien und Kanaan (Teile des heutigen Libanon und Israel) politisch und militärisch einflussreich war. Ihre Hauptstadt war die meiste Zeit Ḫattuša, unmittelbar beim heutigen Dorf Boğazkale gelegen. Die Hethiter sprachen Hethitisch, eine indogermanische Sprache.
Da machen und tun die Menschen rum im alten, vergreisenden Europa, die einen wehren sich mit Klauen und Zähnen gegen die Umvolkung, die andern können nicht genug an den Asylforderern verdienen, muss mich das alles noch jucken mit meinen 70 Jahren?


Wiki erzählt:
Die Existenz der Hethiter war mit Ausnahme einiger verstreuter Bibelstellen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts unbekannt
Dann steht man staunend vor dem Museum in Bogazkale, sieht die fremden Schriftzeichen, kratzt sich den Kopf, denkt: Das war so, das ist so, das bleibt so! Muss mich das kümmern? Eher nicht.



Und was sagen die Hieroglyphen?



Nun gut: Der Erlöser der Hethiter sah anders aus als Gottes Sohn, Jesus-Maria, doch der König hatte die Macht über Leben und Tod, Krieg und Frieden, war so, ist so, bleibt so.



Löwen mussten sich die Hethiter auch schon vor die Tore stellen, war so, ist so, bleibt so.



Nach 2500 Jahren ist der herrliche König der Tiere kaum zu erkennen, doch das Schild gibt ihn als Löwe mit der Jahreszahl 1300 B.C. - before Christ. Warum nicht before Mohammed?



Neben der Sphinx im ersten Bild steht am Museumeingang noch eine Schwester-Sphinx - immer ein weibliches Haupt auf einem Löwenleib. Ob nun eine Sphinx die weibliche Weisheit wie die der Damen Merkel, v.d. Leyen, Roth etc. symbolisieren soll, denen gleichsam der "Löwenleib" ihrer Wähler zu Macht verhilft? Kopfkratz - ein Rätsel, Wiki meint:
.Der heutige Name basiert auf der Legende der griechischen Sphinx, die vorbeikommende Reisende stets erwürgte, wenn diese das von ihr gestellte Rätsel nicht lösen konnten.
Das kann ja heiter werden! Jedenfalls hat fleißige Deutsche die Dame mit Löwenleib ausgebuddelt, in Berlin hübsch aufgebretzelt und nach 94 Jahren wieder zurück gebracht.



Da stehen hier mitten in der fast menschenleeren Landschaft die Ruinen, Monumente bis hin zu Schrifttafeln der Hethiter, und jetzt sitzen hier Türken, von denen in diesem Dorf Bogazkale mich der Camp-Manager, ein Kioskbesitzer und ein Hotelgast schon in Deutsch angesprochen haben, das sie in Wuppertal, Gelsenkirchen oder sonstwo gelernt haben. Söhne und Enkel der alten Herren streunen verwildert durch das Alte Europa und machen die Gegend unsicher. Ganz geniale Geister schaffen es in die Schlagzeilen und auf Wahlplakate - aber nur auf die der AfD.



Zum Glück ist das noch recht weit entfernt von hier, von mir. Mir geht mit den Hethiter das Hobellied durch den Sinn.


Da streiten sich die Leut' herum
 oft um den Wert des Glücks;
 der eine heißt den andern dumm;
 am End' weiß keiner nix.
 Da ist der allerärmste Mann
 dem andern viel zu reich!
 Das Schicksal setzt den Hobel an
 und hobelt beide gleich.


So hobelt im Hohen Haus Alice aus dem Wunderland:

https://youtu.be/xgV0pC1Ejm8
Dieses Land wird von Idioten regiert! - Alice Weidel - AfD-Fraktion 


Wenn es nur immer so einfach wäre, wie Frau Dr. Alice Weidel im Parlament verkündet! Weidel rockt den Laden. Hofreiter spielt den Oberaffen, trommelt gleichsam mit beide Fäusten sich auf die Brust und brüllt, brüllt und brüllt. Roth dreht ihren Stuhl herum, hält sich Ohren und Augen zu, Schäuble rügt, die Damen und Herren stimmen  namentlich ab, wie das Kinderlied so schön singt:



Die Affen rasen durch den Wald,
 Der eine macht den andern kalt,
 Die ganze Affenbande brüllt:
 Wo ist die Kokosnuß?
 Wo ist die Kokosnuß?
 Wer hat die Kokosnuß geklaut?





Wer die andere Seite der Medaille wie die fröhliche Runde im Parlament betrachtet, den schaudert.









Verkündet uns doch dort der hochgeschätzte, hoch kompetente Autor Philolaos zu dem spektakulären Mord:


Jedenfalls eine schwer nachvollziehbare Kausalkette für Menschen, die „hier schon länger leben“. Mentalität, Rituale und Folklore von Kulturen, die zwar in unserer Nachbarschaft verkehren und wohnen, aber in den Köpfen so anders ticken werden von einer humanitärbigotten Schickeria bis zur masochistischen Unterwürfigkeit verniedlicht.

Wenn eine "humanitärbigotten Schickeria bis zur masochistischen Unterwürfigkeit" Verbrechen "verniedlicht", geht mir dazu eine weitere Erklärung durch den Kopf: Könnte es sein, dass eine "humanitärbigotte Schickeria" in ihrem gelangweilten Wohlleben nach einem Kitzel sucht, der durchaus sadistisch-blutige Bedürfnisse befriedigt? Wie der Mob aller Klassen und Ständen sich in römischen Arenen an grausamen Gladiatorenkämpfen verlustiertet, vergnügen sich so nicht Menschen an Gewalt, Mord, Kampf und Blut aus medialer Darstellung und Aufbereitung solcher Bestialitäten? Ist es nicht geradezu ein Gewinn und bestätigt eine "humanitärbigotte Schickeria" in ihrem eigenen Eliteempfinden, dass Kopf "abschneidende Bestien" nun gerade nicht in ihren besten Familien vermehrt auftreten, sondern sich auf die Kreise und Klassen beziehen, denen Richter aus ihren eigenen "humanitärbigotten Schickeriakreisen und - klassen" solcher archaische Urkultur plus traumatisierender Fehlsteuerung und Fehlentwicklung geradezu als "folkloristische Verbrechen" milde strafend verständnisvoll begegnen? Wie beispielsweise bei Ehrenmorden?



Nun gut: Die "humanitärbigotte Schickeria" hat aus einer "Armlänge Abstand" ihren "sadistischen Spaß" gehabt und genossen und empfiehlt mit geilem Grinsegesichtchen dem beunruhigten Pöbel, der selbst in prekären Verhältnissen lebt, keine andere Wahl hat, als in nächster Nachbarschaft zu gewaltätigen, mafiösen Clan-Kriminellen zu hausen, diesen "Armen-hier-schon-länger-Lebenden" rät die "humanitärbigotte Schickeria", solche "tragische Einzelfälle" nicht zu verallgemeinern, nicht so "schlimm zu nehmen" und überhaupt würden mehr Menschen an selbst verschuldeten Krankheiten wie Säuferleber und Raucherlunge sterben oder von der Leiter fallen und sich so ihr Genick brechen. Genug vom grausigen Ekel!

Hattusha


Nachdem mir der Camp-Manager eine Karte für Hattusha gegeben hatte, hatte sich in mir der Plan verfestigt, die fünf Kilometer Strecke durch das museale Gebiet mit dem Fahrrad zu erforschen.



Nach den ersten zwei-, dreihundert Metern geht es nur noch bergauf, stellenweise steil bergauf. 



Es bleibt mir nichts anderes übrig, als meinen Drahtesel diesen romantischen Bergweg zu schieben.



Dass die Morgensonne schon gnadenlos knallt, war mir als Ortsfremden nicht ganz klar.



Doch die ersten Ruinen, wie dieses Haus am Hang aus dem 16. Jh. v. Chr. sind noch vergleichsweise leicht zu erreichen.



Zudem grasen Kühen friedvoll in den grünen Hügeln, wo vor dreieinhalbtausend Jahren die Weltstadt eines königlichen Großreiches war.



Am Löwentor gibt es erstmalig Schatten für eine Pause.



Doch wie es sich für bessere Kreise und für Könige allemal gehört, geht es noch einige Höhenmeter weiter, bis der erschöpfte Besucher vom höchsten Punkt auf die Oberstadt blickt.



Hier haben die Architekten einen ritueller Ausgang in die Ringmauer eingebaut.


Doch der Wanderer kann bequemer das Sphinx-Tor durchschreiten, ohne durch die Tunnelröhre in gebückter Haltung zu krauchen. Immerhin wäre es kühl im Tunnel.



Nach einem herrlichen Ausblick auf die Oberstadt, wo eine Ziegenherde den Rasen pflegt, kann mich mein Fahrrad als Lohn der Mühe dann in Windeseile zurück ins Tal rollen.



Am Königstor muss ein weiterer Halt diesen wuchtigen Steinklötzen aus uralter Zeit Achtung erweisen.



Eine verwitterte "Bautafel" mit noch nicht vollständig entschlüsselten Hieroglyphen soll von den Taten des Königs zeugen.



Mit verbleibender Kraft in der Sonnenglut schleppen mich meine Beine abseits des Weges noch zu einer Hieroglyphen-Kammer, die neben dem solidem Eisengitter noch eine Video-Überwachung sichert.




Mit einem Abschiedsblick auf die Ruinen rollt mich mein treuer Drahtesel dann ins Tal zu meiner Klause zurück. Ein Kommentator mag sich an meinem Besuchsbericht von Hattusha stören und wie zum vorigen Blog mit Kritik nicht sparen.

Mein erschöpfter Körper gönnt sich schon vormittags um 11.00 Uhr eine Prise Schlaf. Doch auch diese wohlverdiente Ruhe stören die Umstände, wie nachts um 2.00 aus einem unerfindlichen Grund plötzlich die SAT-Antenne auf dem Dach ihren Tanz begann. So reißen mich um 11.30 Uhr Regentropfen aus dem Schlummer, was bedeutet in höchster Eile drei Dachluken zu schließen, die Markise einzurollen, Camping-Tisch und Stuhl im Trocknen zu verstauen und den Ledersattel des Fahrrads unter Plastiktüten zu verpacken.

Zudem hatte mich schon meine erste Reise 1972 nach Marokko mit einigen Eigenarten des Ramadans vertraut gemacht. Damals war es nahezu unmöglich, für mich und meine erste Frau etwas Essen zu kaufen. Irgendwann hat uns ein Gastwirt in der dunkelsten Ecke seines geschlossenen Lokals ein Gericht vorgesetzt. Auch heute sitzen die Männer nicht wie die Tage zuvor entspannt an den Wirtshaustischen. Einige schlürften immer an ihrem Tee. Doch das fällt nun fort. Es fällt mir nicht einmal ein, unter den hungrig blickenden Augen der Fastenden überhaupt nur zu versuchen, einen Tee zu bestellen. Die verächtlichen Blicke der frommen Muslim-Brüder über einen Ungläubigen, der es wagt vor ihren Augen das vorgeschriebene Fastenritual am Tag zu brechen, würden meinen empfindsamen Magen über Gebühr belasten.




Hier in Bogazkale geht es heute nur darum, mich für die 330 Kilometer und mindestens vierstündige Fahrt morgen nach Safranbolu fit zu machen. Für diese Welterbe-Sensation bleibt Ankara links liegen. Reisende berichten, in Safranbolu sei schlecht zu campen. Dann sollen mich ein paar Tage am Meer vorbereiten für die zweieinhalbtausend Kilometer Rückfahrt zur lieben Frau daheim.


Safranbolu


Die 330 Kilometer von Bogazkale nach Safranbolu waren sechs Stunden Arbeit, davon eine halbe Stunde Pause plus Tanken.



Da der Muezzin schon um 3.40 Uhr mich weckte, begann eine Stunde später im Morgengrauen meine Fahrt. Die Strecke über eine kleine Landstraße ist sehr abwechselungsreich. Allerdings hinderten dazwischen Kilometer lange Schotterstrecken. Diese sind nur im zweiten Gang mit maximal 15 km/h fahrbar.



Auf 50 Kilometern begegneten mir zwei dieser asiatisch vollgepackten LKWs, deren Ladung bis auf bald vier Meter Höhe reicht, die kunstvoll verknotete Stricke halten. Auch auf einer nur einspurig befahrbaren Brücke über den Kizihrmak kann man seelenruhig halten und aus dem Fenster die Szene einfangen.




Hier ist ein Beispiel einer Schotterstrecke. Daneben entsteht ein bessere Straße.



Zum Glück bleibt mir die Höllensonne auf der Fahrt erspart, sogar ein paar Regentropfen netzen die Scheibe. Das Bild vom Wegrand zeigt ein Hüttenwerk in Kursunlu. Es erinnerte mich an die Hoesch-Werke in Dortmund in meiner Jugend vor etwa 50 Jahren. Wenn dann Erdogan in BBC News tönt, dass die Türkei zu den zehn führenden Industrienationen aufsteigen wird, dann wird Deutschland bereitwillig seinen Platz an die Herren aus dem Morgenland abtreten.




Zum Glück findet sich an den angegebenen Koordinaten ein angenehmer Camping-Platz, Strom, Wasser, TV perfekt, WiFi gibt es im Hotel über der Straße. Schulkinder lärmen, die Straße liegt 50 Meter unter mir, doch die Druckkammerlautsprecher der Moschee übertönen alles.



Die von Griechen einst gebauten Häuser sind großteils renoviert, was Safranbolu seinen Platz im Weltkulturerbe sichert.



Ob dies putzige Häuschen am Straßenrand verfällt oder restauriert wird, ist die Frage. Allerdings lärmt der Verkehr auf dem holprigen Backsteinpflaster.



Doch hier hat sich der Bauherr an der Durchgangstraße ein schmuckes Domizil geschaffen. Auf dem Rückweg fällt mir ein Schild auf der anderen Hausseite auf: "Zu verkaufen".



Der Verkehr kommt, wenn schwere Busse sich durch die Enge manövrieren, im Schritttempo voran, doch es geht voran. Allerdings reizt die Verzögerung die Fastenden am Nachmittag. Wütende Hupsignale sollen die Fahrt beschleunigen - vergeblich.



Der Platz vor der alten Moschee lässt Raum für ein paar parkende Autos. Dahinter beginnt die Altstadt mit einem schmucken und ruhigen Fußgängerbereich. Leider sind Restaurants und Teestuben so gut wie ausgestorben, wenn nicht eine Busladung hungriger Chinesen wenigstens für etwas Umsatz sorgen würden.



Das Denkmal der Krokusblüte, aus dem mühsam die winzige Safranfädchen gewonnen werden, gibt der Stadt ihren Namen.



Eine Gruppe Chinesen erkundet die Altstadt.



Mich zieht es gleich zum Spielzeug- und Holzhändler. Hier lassen sich ein paar Kleinigkeiten für den Weihnachtsmarkt meiner Frau in Bamberg erbeuten. Außerdem gibt es dort in der Altstadt gut sortierte Lebensmittelgeschäfte, um den Kühlschrank wieder aufzufüllen. In Bogazkale gab es außer gutem Fladenbrot wenig.



Die fröhliche Geschäftigkeit in den Teestuben und Restaurants fehlt. Auch in München, berichtet jemand bei Facebook, gibt es derzeit wieder Platz in den Cafés, ohne dass lärmende Großfamilien den Ruhe bedürftigen Kunden stören.

   


Auch hier bestellen ausnahmslos Chinesen Speis und Trank.



Dies Holzspielzeug wird meine Frau heute nach ihrer Arbeit sehen und freuen. Die Preise in türkischen Lira stehen zur Erinnerung daneben. Diese kleinen Andenken verkaufen wir gemeinsam auf dem Weihnachtsmarkt in Bamberg, was sie schon mehr als 20 Jahre macht.

- Hampelmänner 4,5 TL - etwa 95 Cents
- Mikado-Spiel     3,- TL   etwa 60 Cents
- Wurfkreisel         2,- TL   etwa 40 Cents
- Holzkreisel          1,- TL   etwa 20 Cents


Es war wieder eine Erlösung, als gegen 15.00 die Höllenhitze nachlässt. Im Auto ist es bei 30 Grad nicht auszuhalten, doch vor dem Auto unter der Sonnenmarkise ist es bei 22 Grad recht angenehm. Um die Hitze aus dem Kopf zu bringen, hilft es, aus dem Wasserhahn am Camp neben dem Auto mir zwei, drei Schüsseln kaltes Wasser über Kopf und Körper zu schütten. Der nächste Platz am Schwarzen Meer liegt 100 Kilometer weiter nördlich. Es hat mich aufgebaut, dass das Garmin-Navi als Fahrtrichtung Nord, Nordwest und manchmal auch West anzeigte. Ein gutes Gefühl!

Glücklich in Safranbolu



Eine zweite Nacht in Safranbolu entspannt. Seit langem erstmal gönnt sich der erschöpfte Körper Schlaf bis um 7.00 Uhr in der Früh. Nicht einmal der Muezzin stört im Morgengrauen. Nur ein Gewitter schreckt mich mit lautem Donnerschlag hoch, gerade rechtzeitig Zeit drei Dachluken zu schließen, bevor ein fundamentaler Regenschauer über mir seine Ladung entlädt.




Schon der zweite Altstadtbesuch, drei Minuten vom Camp, schenkte schöne Eindrücke. Die Japanerinnen begeisterten sich an einem blonden, blauäugigen Mädchen, das sie bewunderten wie einen Popstar. Männer müssen neidlos eingestehen: Die Reproduktion bleibt weibliches Alleinstellungsmerkmal.



Auch die Lokale haben sich schon für den Ansturm gerüstet, den Fastenden ein oppulentes Nachtmahl anzubieten. Schon anderthalb Stunden vor dem Fastenbrechen war es mir ohne Schwierigkeiten möglich, ein schmackhaftes, vegetarisches Fünf-Euro-Mahl zu genießen. Aus Rücksicht auf die Hungrigen schien es mir angebracht, mich ein wenig im Lokal zu verbergen, um nicht Anstoß zu erregen.




So gestärkt machte die alte Karawanserei einen noch größeren Eindruck auf mich. Das alte Gemäuer beherbergt wie zu alten Zeiten Gäste und bietet eine gehobene Gastronomie.





Das Fasten im Ramadan kennt keine Gnade: Auch schwere Arbeit geht weiter, sogar noch am späten Nachmittag, bevor in drei Stunden der Muezzin das Signal gibt: An die Töpfe!




Im Hintergrund, unter dem mittleren Torbogen, sitzen zwei junge Damen. Kichernd freuen sich darüber, dass ein Tourist fotografiert, bleiben aber in der Ferne vor meinem neugierigen Kameraauge verborgen.




Zeltplanen schützen den Innenhof der Karawanserei vor der Höllensonne.



Meine Frau daheim hat per Skype 10 weitere Holzkreisel und fünf Hampelmänner für ihren Weihnachtsmarkt bestellt. In der Morgenfrische bezaubern mich auf einem weiteren Stadtgang die Eindrücke, die mir wie in einem Freilichtmuseum vorkommen.



Von einer höheren Straße überblickt man die großräumig angelegte Karawanserei vor der Moschee. Auch der Bus hat sich mit der türkische Nationalflagge geschmückt. Gestern abend, zum Ausklang des freitäglichen Feiertags hatten viele im Basar die Läden geschlossen und genossen im Fernsehen die Ansprache ihres Führers. Nach der unverkennbaren Agitation von Erdogan blendete das Fernsehen jubelnde Massen ein. Ein Volk, ein Vaterland, ein Führer! In Deutschland war's einmal und kommt nie wieder. Franco, Stalin, Napoleon, Mao ist leicht zu vergeben, Deutschland s Wählern nimmermehr! Die Wiederkehr des osmanischen Großreichs steht bevor.



Majestätisch thront die Moschee über dem weltlichen Gewimmel des Basars mit seinen unzähligen Läden und Restaurants.



Die Inschrift unter der arabischen Sure datiert den Bau auf 1796.



Die Bäckerei arbeitet auf Hochtouren. Mit dem Mann an der Ofenklappe möchte kein Tourist tauschen - nicht für einen kurzen Augenblick.



Wer für seinen Gartentisch noch ein Ersatzrad braucht, hier bekommt er es. Unter der Klimaanlage erspäht das kundige Auge des Antiquitätenjägers noch eine alte Schatztruhe mit rostigen Eisenbeschlägen.



Unter Safranbolu fließt dieser Bach. Schilder bitten darum, die Natur zu respektieren und keine Abfälle in den Fluß zu werfen.



Noch einen Blick auf die Schlucht, wo der Fluß unter der Stadt wieder ins Freie tritt. Malerisch schmiegen sich die alten Häuser an den Hang.



Eine Werbung in holprigem Deutsch am Camp verweist auf weitere Sehenswürdigkeiten wie Höhlen und der Welt "einziges gläsernes Viadukt" über eine tiefe Schlucht in näherer Umgebung. Die Werbetafel endet mit der Frage: "Wenn Sie das gesehen haben, werden Sie fragen, warum Sie nicht schon früher hergekommen sind."



Heute ist Markttag. Bei den alten Marktweiblein wandern meine Gedanken an meines daheim, das in der Blüte ihrer Jahre steht.



Ein altes Mütterchen schleicht über den Marktplatz, das vermutlich ihrem stolzen Vaterland genug Kopftuchmädchen und tapfere Türkcnjungen geschenkt hat.



Für Liebhaber folklorischter Kraftfahrzeuge kommen mir noch zwei prächtige Exemplare vor die Linse.



Kenner alter Dieselmotoren hören förmlich, wie sich das Fahrzeug mit rasselnden Kolben und klappernden Ventilen nähert. Der Fahrer spürt meine Achtung für diese hohe Kunst des Motorenbaus und winkt mir freundlich zu.



In der Terrasse über mir logiert in einem 35 Jahre alten Iveco-Allrad-LKW ein altes Ehepaar aus Frankreich. Der 67-jährige Opa kommt mit seiner Frau von einer zweimonatigen Tour aus dem Iran zurück und berichtet begeistert von den friedliche und freundlichen Menschen dort. Meine Frau soll das lesen: Die Dame versichert mir, nie dort Angst gehabt zu haben. In der Terrasse unter meinem Standplatz schaukelte sich eine junge Frau in der Hängematte. Ein Strang war an der Leiter ihres Defenders, der andere an einem Baum angebunden. Das junge Paar fährt über Georgien, Russland ebenfalls in den Iran. Im Herbst kehren sie über die Türkei zurück nach Zürich.


Meine Beute an Bilder für den Blog reicht damit. Für politische Scharmützel bleibt keine Kraft mehr. Einige Blogger geben angesichts der neuen Gesetze auf. Die zunehmend links-rot-grün faschistische Mehrheitsmeinung muss widersprüchliche Informationen DIFFAMIEREN, DENUZIEREN, DEZIMIEREN!




Mein Platz bleibt heute nahe beim Auto, um bei dem verhangen Himmel schnell vom Lokal mit WiFi zu meiner Terrasse zu hechten, um alle Dachluken zu schließen. Wasser auf dem Bett und dem Fernsehen kann niemand gebrauchen, auch wenn der Regen das Land und das heiße Haus abkühlt.




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